Judith Pfister, Fateka

 

Kurzbeschreibung
Muttererde liegt im Sterben. Fanteka ist, wie so viele ihrer Art, aus gewaltsamer Vereinigung mit den bösartigen Mächten und einer Tochter der Muttererde entsprungen. Die letzten Kräfte ruhen auf ihr und in ihr den dunklen Mächten im Hinterland entgegen zu treten. Wenn sie es schafft den Samen des Lebens und der Hoffnung zu pfl anzen bevor die dunklen Mächte sich vereinen, wird sie ein kleiner Hauch der Natur noch retten können ...

Judith Pfister wurde 1979 geboren, wuchs in Thun mit drei Geschwistern auf und lebt heute am Wohlensee im Kanton Bern.

76 S. SC

 

Leseprobe aus Fanteka

von Judith Pfister

...

Durch schmutzige Strassen wandelt sie unbemerkt. Überlaufende

Blechcontainer, apathische Helden im Dreck. Wie rastlose Phantome und

Geister, wandeln rote Gesichter an ihr vorbei. - Was treiben diese leeren Gestalten den ganzen Tag, dass sie mit ihren finsteren Blicken diese riesigen Löcher in die Gegend starren – geht es Fanteka durch den Kopf.

Je höher die Häuser, desto finsterer wird die Sicht. Die Stadt wird ihr jedes

Mal fremder, wenn sie durch die kahlen Gassen streift. Mit jedem Tag, mit

dem sie die Strassen besser kennt, scheint die Stadt sie mehr zu hassen und

blickt ihr in einer schrecklichen Fratze entgegen. Immer mehr hat sie Angst

vor diesen Geistern, die diese Bauten bewohnen. Die Angst zu wissen, dass

sie auch eine von ihnen ist. Angst, irgendwann auch nur noch herumgeistern

zu können, weil ihre Kraft sie verlässt. Ihre Gefühle zu verlieren ist für sie

unvorstellbar, doch sie hat die Ahnung, es wäre in diesen leeren Gesichtern,

welche sie umgeben, bereits geschehen. Unvorstellbar, irgendwann keine

Sehnsucht mehr zu verspüren; die Sehnsucht nach einem fernen, schon längst in Vergessenheit ertränkten Paradies.

Die Menschenmenge verdichtet sich um sie herum. Die Leute drängeln

sich schneller, langsamer oder in entgegen gesetzten Richtungen

nebeneinander vorbei. Schauen sich nicht an. Sehen nur diese eine Richtung,

in die sie zwanghafter Weise gehen müssen. Sie sehen nicht das zarte, tapfere Pflänzchen, das am Randstein, aus einer Ritze im Asphalt spriesst; sie sehen nicht das Lachen des kleinen, schwarzen Jungen, der einen kleinen, schwarzen Hund beim Jagen des eigenen Schattens beobachtet. Und sie hören nicht den Ruf des Falken, der anmutig über der Stadt seine Kreise zieht. Es scheint als wären Fantekas Sinne nur für diese

wunderunscheinbaren Dinge im grossen Treiben geschärft. Sie sieht, hört und fühlt nur diese winzig kleinen Begebenheiten und Tatsachen, die geduldig einfach da sind. Überbleibsel aus Zeiten, welche unter einer dicken Schicht Gegenwart verborgen liegen und hier und da nur ganz kurz auftauchen, um zu zeigen dass sie noch da sind, für jene, die Aufmerksamkeit nicht scheuen.

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