Ein grosszügiger Freund (Papierkorbgeschichte)

Wieder einmal, nach langer Zeit, sitze ich in einem Restaurant in meiner Wohngemeinde.

Ein Freund, den ich schon sehr lange nicht mehr gesehen habe tritt in die Gaststube und gesellt sich zu mir. Es gibt viel zu erzählen. Was machst du? Wo arbeitest du? Nach kurzer Zeit stellt sich heraus, dass er wie ich in der Stadt arbeitet, ja, sogar ziemlich in der Nähe meiner Arbeitsstätte. Im Gegensatz zu mir, der mit dem Zug pendelt, fährt er mit dem Auto zur Arbeit. "Ist diese Pendlerei nicht mühsam?" fragt er er mich. Dem kann ich nicht widersprechen. Die Züge sind überfüllt, der Arbeitsweg fast zwei Stunden. "Fahr doch mit mir, ob da noch jemand im Auto sitzt macht den Braten nicht fett. Ich habe sogar einen Parkplatz vor dem Geschäft und der Fussweg von dort bis zu deinem Büro ist nicht weiter als vom Bahnhof", meint er und weiter: "Sollte ich einmal krank sein oder aus einem anderen Grund nicht fahren können, nimmst Du Dein Fahrzeug und benutzt meinen Parkplatz." Das Angebot ist bestechend. Eine Stunde länger schlafen, das doch nicht ganz billige GA einsparen...... Mit diesem Geld kann ich mir einen schönen Urlaub leisten. Was soll ich da noch lange überlegen.

Ein Monat ist um. Das sich chauffieren lassen ist ein Genuss.

Auf dem Parkplatz, bevor ich aussteige fragt mein grosszügiger Freund: "Können wir noch abrechnen?" "Abrechnen?" frage ich ein wenig hilflos.

"Ja, ich habe recherchiert und gerechnet", sagt er. "Das GA kostet 310 Franken im Monat, also je Arbeitstag 15 Franken 50. Mein Parkplatz kostet vier Franken am Tag. Du bist 14mal mit mir gefahren und fünf mal selber. Die Fahrten sind also insgesamt 217 Franken und fünf mal hast du meinen Parkplatz benutzt, das macht 20 Franken, also total 237 Franken. Wie du siehst hast du 73 Franken gespart." Ich war perplex! Fünfmal bin ich selber gefahren. Zweimal musste ich eine Fahrkarte kaufen, da ich geschäftlich ein eine andere Stadt musste und ja kein GA mehr hatte. Zusammengerechnet hat mich die Sache also rund 510 Franken gekostet. Also 200 Franken mehr als das GA. Ich bin wieder Pendler mit der Bahn!

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